Eskrima

LapulapuDie Kunst des Arnis gehörte zu einer Reihe von Künsten und Traditionen der südostasiatischen Kriegerkaste Maharlika. Als Kriegskunst beinhaltete sie mehrere Aspekte des Kampfes, wobei das Hauptaugenmerk auf bewaffneten Auseinander-setzungen lag. Die Krieger wurden im Umgang mit Lang- und Kurzschwert, Messerkampf sowie Speerkampf unterwiesen und erlernten zudem noch das Ringen sowie Schlag- und Tritttechniken. Eine besondere Fähigkeit waren der simultane Umgang mit zwei Waffen des gleichen oder unterschiedlichen Typs, sowie die Verteidigung unter Gebrauch von alltäglichen Gegenständen. Allerdings wurden die Künste bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts lediglich innerhalb des eigenen Clans gelehrt. Beim Training wurden meist Hartholz- oder Rattanstöcke anstelle von Schwertern verwandt, um das Verletzungsrisiko möglichst gering zu halten.

Noch bevor jungen Krieger der Umgang mit dem Schwert erlaubt war, mussten sie ihr Können mit schweren Hartholzstöcken aus Bahi oder Kamagong – auch bekannt als Eisenholz – unter Beweis stellen. Diese imitierten das Gewicht und die Länge eines echten Schwertes. Dabei fällt auf, dass bei südostasiatischen Waffentechniken Waffen, die man mit einer Hand führen kann, deutlich bevorzugt werden. Grund dafür ist wahrscheinlich die dichte Vegetation, die vor allem vor dem 20. Jahrhundert in der Region existierte. Dadurch waren die Krieger dazu gezwungen kompakte Techniken und kleinere Waffen zu bevorzugen. Momentan ist nur relativ wenig über die Herkunft der Kunst und über berühmte vorkoloniale Vertreter dieser bekannt. Eine der bekanntesten ist Prinzessin Urduja, die während der Yuan-Dynastie lebte.

Auch ist die Kunst Teil vieler Legenden und Geschichten des Archipels. So sei Lam-Ang, der Held eines Nordluzónischen Epos, ein Meister der Kunst gewesen. Auch der Gott Apo Laki, Bruder von Mayari sei ein Meister des Schwertkampfes.

Die heutzutage bekannteste Auseinandersetzung zwischen europäischen und südostasiatischen Streitkräften, war der Kampf, der zwischen Ferdinand Magellans und Lapu-Lapus Truppen am 27. April 1521 stattfand. Angeblich soll Magellan von Lapu-Lapu selbst erschlagen worden sein. Dies ist allerdings lediglich nur ein Gerücht, das erst im 19. Jahrhundert verbreitet wurde und historisch nicht belegbar ist, da in den Aufzeichnungen Antonio Pigafettas über seine Reise um die Welt lediglich geschrieben steht, dass Magellan von mehreren feindlichen Soldaten unter Lapu-Lapus Kommando angegriffen und vermutlich erschlagen wurde.

Nach dem großen Misserfolg bei Mactan gelang es den Spaniern dennoch mit großem Kalkül schließlich das Vertrauen der einheimischen Adligen zu erlangen und diese gegeneinander auszuspielen. Mit dieser Taktik schwächten sie das gesamte politische Gleichgewicht des Archipels und den Adligen war es nun nicht mehr möglich eine effektive Streitmacht gegen die Spanier aufzustellen, als sich deren tatsächliche Absichten herauskristallisierten. Obwohl die politisch und wirtschaftlich wichtigen Städte sowie Schiffe des philippinischen Archipels mit südostasiatischen Kanonen, genannt Lantaka, geschützt waren, konnten sie, wegen der politischen Zerrissenheit, nichts gegen die viel weiter entwickelten Schusswaffentechnologie der zukünftigen Besatzer anrichten. Auch der Heimvorteil der Archipelbewohner verfiel, da auf der Seite der Spanier ebenfalls Maharlika kämpften.

Die Ausübung der Kunst wurde 1764 offiziell von der spanischen Kolonialmacht verboten, und so übten die Krieger ihr Können im Geheimen. Viele verbanden die Kampfkunst mit der südostasiatischen Tradition der Folkloretänze und versteckten ihr Wissen für die Nachwelt auf diese Weise. Während des Zweiten Weltkriegs und des Vietnamkrieges ließ die U.S. Armee einen Großteil der Kampfhandlungen von philippinischen Soldaten ausführen. Zu diesen Soldaten gehörte unter anderem der ehemalige philippinische Präsident Fidel Ramos. Aus dem Sachverhalt der Anheuerung heraus entstand der Mythos in der westlichen Welt, dass die U.S. Armee gezielt Arnis Meister angeheuert habe, weil diese sich mit Guerillataktiken im südostasiatischen Terrain auskennen würden und herausragende Kämpfer seien. Dies kann allerdings keineswegs belegt werden. Die USA ließen lediglich Soldaten aus dem Archipel für sich kämpfen, unabhängig davon ob sie Arnis konnten oder nicht. Tatsächlich waren die allermeisten Soldaten weder Arnis Meister noch Schüler. Die Militärzeit ermöglichte vielen die Aussicht auf die U.S. Amerikanische Staatsangehörigkeit. Dadurch gelangen unter anderem die philippinischen Kampfkünste auf den Kontinent.

Anfang der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts wurden diese dann durch Leute wie Dan Inosanto, der diese Kunst in viele U.S. Actionfilme einbrachte, nach und nach bekannter.

Nachdem in den 1980ern der Begriff "Kali" populärer geworden war und die Nachfrage stieg, veränderten einige Meister den Namen ihres Kampfstiles, um sich die Möglichkeit zusätzlicher Einnahmen nicht entgehen zu lassen. Arnis war zudem noch eine Disziplin in den Südostasienspielen in den Jahren 1991 und 2005, und wurde 2010 durch Gloria Macapagal-Arroyo zum offiziellen Nationalsport der Philippinen ernannt und muss an allen philippinischen Schulen unterrichtet werden.


Geschichte/Entstehung Doce Pares Eskrima

Die ersten Hinweise auf die Kampfkunst Eskrima stammen aus der Zeit der Entdecker: Der erste bekannte philippinische Held, Lapulapu, soll einer der führenden Meister des Arnis (auch Eskrima oder Kali) gewesen sein, welches damals unter seinem einheimischen Namen Pangamut bekannt war. Lapulapu bereitete seine Männer durch hartes Training intensiv auf die entscheidenden Kraftproben gegen Feinde vor.

Als der erste Weltumsegler in der Geschichte versuchte, den widerspenstigen Lapulapu, der sich weigerte sich mit ihm in Cebu zu treffen, zu unterwerfen, wurde er, wie nicht anders zu erwarten, nicht mit Gewehrkugeln sondern mit einfachen Holzwaffen, Speeren und Bolos konfrontiert. Als der Schlachtlärm verklungen war, zeigte sich ironischerweise, dass die „modernen" Waffen der spanischen Eroberer den primitiven Holzwaffen von Lapulapu und seinen Kriegern in jeder Hinsicht unterlegen waren. Magellan fiel in dieser Schlacht.

Als die Spanier jedoch das Land immer mehr unter ihre Kontrolle brachten, versuchten sie die Ausübung der Kampfkunst zu verhindern. Aus Angst vor den ungewöhnlichen Fähigkeiten der Philippinos verboten sie die Ausübung dieser Kunst. Zwar gaben sie als Grund für das Verbot an, dass die Einheimischen zu viel Zeit mit dem Training verbrachten und dadurch ihre Arbeit vernachlässigten, aber es war doch offensichtlich, dass die Verwaltung die sehr geschickten und gut ausgebildeten Menschen als lebensgefährliche Bedrohung ansah. Schliesslich gaben die Philippinos dem Druck nach und legten ihre Übungsgeräte beiseite und gaben die Ausübung des Arnis auf.

Es dauerte bis zum 19.Jh., bis das Arnis bei der einheimischen Bevölkerung wieder eine gewisse Verbreitung fand. Diese Entwicklung wurde der Einführung der Moro Moro Spiele und Tänze zugeschrieben, welche sich unter den Philippinos großer Beliebtheit erfreuten und ihnen die Gelegenheit gaben, das Gesetz zu umgehen, welches das Tragen und Zeigen von Schwertern verbot. Man glaubte, dass die Moro Moro Spiele und Tänze sogar in erster Linie dafür erfunden wurden, um den Philippinos einen Deckmantel für die Wiederaufnahme des Arnistrainings zu verschaffen. Und so versuchten die Menschen die Kunst mit einem Stück Hartholz, genannt „bahi" oder „Kamagong" und mit Rattanstöcken, genannt „Oway" zu meistern. Durch das Täuschungsmanöver, welches die Bühnenspiele und Tänze darstellten, waren die Philippinos in der Lage, ihr Arnistraining mit „Kali"-Schwertern (das „Kali"ist eine Art breites Schwert, welches bei den Philippinos noch stets beliebt ist) fortzuführen. Dieser "Tanz" gefiel sogar den Spaniern, so daß er nun auch öffentlich bei Feierlichkeiten gezeigt werden konnte.

Dass das richtige Arnis keinesfalls gestorben war, konnte die Besatzungsmacht jedes Mal feststellen, wenn es wieder eine Revolte gab. Von Generation zu Generation wurden diese vielen regional verschiedenen Kampfstile, unter dem Oberbegriff Arnis de Mano bekannt, am Leben erhalten und überliefert durch die Jahrhunderte.

Als 1898 das Ende der spanischen Herrschaft kam, und die Amerikaner übernahmen, wurde das Verbot aufgehoben. Freundschaftliche Wettkämpfe wurden an Feiertagen öffentlich gezeigt, aber die Lehrer "öffneten ihre Türen" immer noch nicht, und Arnis blieb zunächst eine Geheimkunst.

Im März 1932 fand sich eine Gruppe bekannter philippinischer Kampfkunstmeister zusammen und gründete den Doce Pares Club, später auch einfach Doce Pares genannt, mit dem Ziel die Kampfkunst der Philippinen (FMA) zu fördern. Unter der Leitung des unnachahmlichen Eulogio "Yoling" Canete, erreichte die Gruppe eine derartige Bekanntheit und Beliebtheit, dass sie praktisch alleine den Standard des Eskrima-Kali-Arnis bestimmte. Doce Pares war so verbreitet, dass sein Name gleichbedeutend war mit der Kampfkunst Eskrima schlechthin.

Nach seiner Wahl zum ersten Präsidenten im Jahre 1932, wurde Eulogio Canete insgesamt 56 mal wieder gewählt und blieb bis zu seinem Tode im Jahre 1988, im Alter vom 88 Jahren an der Spitze der Bewegung.

2010 wurde Eskrima durch Gloria Macapagal-Arroyo zum offiziellen Nationalsport der Philippinen ernannt und muss nun an allen philippinischen Schulen unterrichtet werden.

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